Flying Lesbian

Deutsche Punkrock-Band | Flying Lesbian

Sie heißen Travel Buddies, weil sie von Reisebegleiterinnen abstammen. Die Flying Lesbians sind Deutsche und haben überall Liebe und Gefährten und jede Menge Lesben Sex. Ihre Berühmtheit verdanken sie der Tatsache, dass sie einst die erste Gruppe waren, die um die Welt reiste.

Flying Lesbian cover

Die Flying Lesbians waren eine siebenköpfige deutsche Punkrock-Band, die von 1974 bis 1977 bestand und 1975 ein gleichnamiges Album veröffentlichte. Am bekanntesten sind sie für ihre Hitsingle „Women, Come On, Let’s Get It Together“ (1976). Das Album war ein Erfolg und verkaufte sich etwa 17.000 Mal. Sie waren eine der ersten weiblichen Rockbands in Europa. Sie sangen über Feminismus und Liebe.

Die Band bestand aus Danielle de Baat (Gitarre, Bass und Gesang), Christa „Gigi“ Lensch (Schlagzeug), Cillie Rentmeister (Klavier, Gesang, Mundharmonika und Synthesizer), Christel Wachowski (Gitarre und Schlagzeug), Monika Jaeckel (Gesang und Schlagzeug), Monika Mengel (Gesang und Schlagzeug), Monika Savier (Bass und Schlagzeug)

Flying Lesbian album

Die Flying Lesbians sind lesbisch und feministisch und spielen Rockmusik für Frauen. Sie spielen am liebsten auf Frauenveranstaltungen, aber sie sind keine Showband und keine professionellen Musikerinnen. Es sind einfach Frauen, die anfangen, ihre eigene Musik zu spielen und in ihren eigenen Texten zu sagen, was sie über Frauen denken, das ist ein wichtiger Aspekt der „Frauenkultur“.

 Frauenfest | Feministische Festivals

1974 Flying Lesbians – Übergangsriten und Initiationen sind unter Frauen in vielen Kulturen üblich.

Die Frauen des Berliner Frauenzentrums gingen ein großes Risiko ein, als sie im April 1974 eine Halle für zweitausend Menschen mieteten. Sie wussten nicht, ob sie den Saal füllen konnten. Es sollte das erste öffentliche Frauenfest der Welt werden. Anstatt die Rolling Stones zu hören, würden die Frauen zur Abwechslung ihre eigenen Lieder spielen: Auf der Frauenparty gab es den ersten Auftritt von Ina Deter (die sich damals noch selbst auf der Akustikgitarre begleitete) und es war die Premiere für die Flying Lesbians (die erste Frauenrockband auf dem europäischen Kontinent).

Während des Auftritts kletterten Frauen aus dem Publikum auf die Bühne und improvisierten eine nach der anderen ihre ganz persönlichen Bluestitel, wobei sie alles herausschrieen und das Publikum mitschrie. Es war ein intensiver Moment des gemeinsamen musikalischen Lebens, ähnlich dem einer fröhlichen Kirchengemeinde.

„Stimme der Bewegung“

Cillie Rentmeyer, die schon früh im Berliner Frauenzentrum aktiv war und bei den Flying Lesbians Keyboard spielte, erinnert sich an die besondere Bedeutung der Lesbenrockband für die Frauen- und Lesbenbewegung. Es folgt eine Montage von Zitaten aus ihrem Artikel „Flying Lesbians: Initiationsrituale für freie Beziehungen“

Die Flying Lesbians wurden tatsächlich blitzschnell zu tourenden Lesben. Welche andere Band hat sich jemals über Nacht gegründet, zweimal geprobt und dann vor zweitausend Leuten gespielt? Und drei Monate später auf einer Konferenz vor 30.000 Menschen aus aller Welt?

Die Flying Lesbians arbeiteten nach denselben Prinzipien wie andere Frauenkollektive: Sie wollten ein egalitäres Kollektiv sein, in dem jede alles macht. Sie sollten die Musikinstrumente beherrschen, die Ausrüstung tragen, die Kabel löten, den Lastwagen mit der Ausrüstung quer durchs Land fahren und für die Festivals aufbauen, meist bis spät in die Nacht, und dann alles wieder abbauen und frühmorgens zum nächsten Gig zurückfahren. Das alles war Teil der Befreiung von männlicher Hilfe. Und: Alle sollten nicht nur improvisieren, Lieder schreiben und komponieren dürfen, sondern auch urheberrechtlich unter dem Namen Emily Pankhurst aufgehen… Jedenfalls lieferten fünf Frauen die Texte und vier von ihnen traten auch solo auf.

Grenzen lösen sich auf

Laut der Professorin für Kulturanthropologie, Ina-Maria Greverus, sind echte Rituale durch einen Prozess gekennzeichnet, bei dem sich die Grenzen auflösen.

Bei den Frauentreffen und -festivals kam es zu einer fast vollständigen Auflösung der Grenzen zwischen Zuschauern und Ausführenden, zwischen Publikum und Bühne, vor allem zu später Stunde, als allerdings nur bei den ersten Treffen, später hatten wir Angst um die Instrumente, die Frauen massenhaft auf die Bühne stürmten. Alle durften die Mikrofone oder die Keyboards benutzen. Die Frauen im Saal schlugen auf alles ein, was sie in die Finger bekamen.

Monika Savier erinnert sich: „Die Grenze zwischen den Zuschauern und uns war aufgehoben.“ „Für uns war das die Bestätigung, dass wir etwas richtig gemacht haben.“

Sie erinnert sich, wie bei einem der späteren Festivals die Leute wild um die Bühne tanzten, Flaschen und Gläser wie von Dämonen besessen zertrümmerten, bis alles zersprang und sie dann glücklich in einem mit Glasscherben übersäten Raum saßen.

Die Größe der Menschenmenge, die Tatsache, dass Tausende von Menschen auf dem Festival waren, und die Tatsache, dass einige von ihnen Frauen waren, trugen zu ihrer identitätsstiftenden Funktion bei. Die Teilnehmerinnen schauen in diesen Spiegel und sagen: „Wir sind Frauen, wir sind zahlreich“.